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Lavendel

Wenn Düfte und Farben heilen

Wer einmal die Lavendelfelder in der Provence gesehen und den Duft gerochen hat, weiß, welche Lebensfreude von diesem mediterranen Kraut ausgeht. Seit dem Altertum wird Lavendelduft zur Entspannung genutzt, insbesondere als Badezusatz.

Schon der Name leitet sich vom lateinischen Wort “lavare” für “waschen” ab. Mittelalterliche Medizinetexte erwähnen die beruhigende und angstlösende Eigenschaft das Lavendels. Als die “Blume der Medizin” wurde sie in der ersten medizinschen Universität der Welt in Salerno bei Neapel verehrt.

Paracelsus verwendete Lavendel gegen Nervenleiden und als herzberuhigendes Mittel. Auch Darmbeschwerden wurden als Indikationen genannt. Außerdem empfahl Paracelsus Lavendel als harntreibendes Mittel.

Lavendel

Lavendel

Wirkung

Lavendel wirkt in erster Linie beruhigend. Die beruhigende Wirkung von Lavendel liegt unter anderem am Stoff Linalool.

Jetzt haben Forscher übrigens festgestellt, dass die beruhigende und schlaffördernde Wirkung des Lavendels durch Linalool anders funktioniert als bisher angenommen – nämlich allein durch Aufnahme über die Nase, also den Geruchssinn. Bisher dachte man, Linalool würde als pharmakologischer Wirkstoff über den Körper aufgenommen.

Die Inhaltsstoffe des Lavendels verfügen über folgende Wirkungen:

  • beruhigend
  • schmerzlindernd
  • antibakteriell
  • antimykotisch
  • antikonvulsiv
  • entzündungshemmend
  • entblähend
  • krampflösend
  • äußerlich durchblutungsfördernd
Lavendel

Lavendel

Inhaltsstoffe

Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Lavendels sind ätherische Öle. Echte Lavendelblüten enthalten ein ätherisches Öl mit einem hohen Anteil an Linalool und Linalylacetat, ferner einen geringen Anteil an 1,8-Cineol und Campher.

Vor allem Linalool und Linalylacetat wird eine beruhigende Wirkung zugesprochen, Linalool besitzt zusätzlich eine hemmende Wirkung auf das Wachstum einiger Bakterien und Pilze.

Tabelle 1: Lavendel Inhaltsstoff
Lavendel Inhaltsstoff Beschreibung
Ätherisches Öl folgt
Linalylacetat Monoterpenoid-Ester mit besäftigender Wirkung aus das Zentralnervensystem
Linalool Terpenalkohol mit antiseptischem und entzündungshemmenden Effekt
1-8-Cineol Monoterpen aus der Gruppe der Isoprenoide mit auswurffördernden, antibakteriellen, antiviralen und entzündungshemmenden Eigenschaften
Campher folgt
Beta-Ocimen folgt
Lamiaceen-Gerbstoffe folgt
Lavendel

Lavendel

Anwendungsgebiete

Lavendel hat eine scheinbar paradoxe Wirkung – es kann anregen und entspannen, bei Abgeschlagenheit erfrischen und bei Stress beruhigen.

Die wohl bekanntesten Anwendungsgebiete sind Einschlafstörungen und Unruhezustände. Doch auch bei Magen-Darm-Beschwerden ist Lavendel in der Phytotherapie von Bedeutung.

Anerkannte Hauptindikationen von Lavendel

Lavendel erweist sich als hilfreich bei vegetativer Dystonie, d. h. einer Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems. Auch bei Unruhe und nervöser Erschöpfung wird die Heilpflanze medizinisch verwendet.

Innerliche Anwendung für Lavendel bei
Nerven, Psyche, Kopf
  • Einschlafstörungen
  • Unruhezustände
  • Schlaflosigkeit
Magen, Darm, Verdauung
  • Nervöse Magen-Darm-Störungen
  • Funktionelle Oberbauchbeschwerden wie Reizmagen, Röhmfeld-Syndrom, Blähungen
Äusserliche Anwendung für Lavendel bei
Blut, Herz, Arterien, Venen
  • Funktionelle Kreislaufstörungen

Traditionelle Anwendungsbereiche von Lavendel

In der Volksheilkunde sind verschiedenste Anwendungsbereiche bekannt. Dort wird Lavendel u. a. innerlich bei Migräne, Krämpfen und Asthma eingesetzt und äußerlich zur Wundbehandlung.

Innerlich:

  • Kopfschmerzen
  • Erschöpfungszustände
  • Nervosität
  • Durchfall
  • Steigerung des Harnflusses

Äußerlich:

  • Neuralgien
  • Kopfschmerzen
  • Verbrennungen
  • Sonnenbrand
  • Wunden
  • Erkältung
Lavendel

Lavendel

Anwendung

Die häufigste Art der Anwendung im Hausgebrauch ist die Verwendung von ätherischem Öl im Rahmen einer Aromatherapie. Auch Lavendelkissen sind weit verbreitet. Arzneilich verwendet werden die Lavendelblüten, die es getrocknet in der Apotheke zu kaufen gibt.

Damit lassen sich ganz einfach Lavendel-Aufgüsse herstellen, die verschiedene Anwendungsmöglichkeiten bieten. Pharmazeutisch verarbeitet gibt es Lavendel in Apotheken als Kapseln oder Salben und Cremes, in Drogerien und Reformhäusern auch als NEM sowie in Seifen und Badezusätzen.

Lavendel Tee

Mit einem Lavendel Tee können nervliche Erschöpfung, Verdauungsstörungen oder Blähungen natürlich behandelt werden. Ebenso lassen sich mit Lavendel Tee Wunden auswaschen oder mit Kompressionauflagen 30 Minuten lang gereinigt werden. Das ist gut gegen Wundschmerzen oder auch bei Sonnenbrand.

ZUBEREITUNG: dreimal täglich 1-2 TL (0,8-1,6 g) getrocknete Lavendelblüten mit 200 ml 80 °C warmem Wasser aufgießen und abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und den Lavendel Tee warm trinken oder als Komprese auflegen.

ACHTUNG: Kindern (4-10 Jahre) Tee mit 1 g Lavendelblüten verabreichen.

Lavendel Tinktur

Eine Alternative zum Lavendel Tee für eine innerliche Anwendung ist eine Lanvendel Tinktur aus der Apotheke (Verhältnis 5:1). Davon können Sie dreimal täglich 2-4 ml (8-16 Tropfen) einnehmen.

Lavendel Bad

Traditionell wird Lavendel auch bei Unterleibskrämpfen und Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Hier kann ein Vollbad mit Lavendelblüten lindernd wirken.

ANLEITUNG: Gießen Sie 50-100 g Lavendelblüten aus der Apotheke mit 1 l heißem Wasser (80 °C) aufgießen und 10-15 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Anschließend in ein gefülltes Wannenbad geben und 10-20 Minuten darin baden. Danach sollte man sich weitere 10-20 Minuten ausruhen!

ACHTUNG: Nicht baden mit großen offenen Wunden, bei hohem Fieber, Herzinsuffizienz und schweren Infekten! Vorsicht bei Bluthochdruck! Bei Verschlechterung während der Anwendung sollte ein Arzt hinzugezo- gen werden!

Lavendel Wickel

Auch eine lokale Behandlung der schmerzenden Stelle mit einem Lavendelwickel kann aufgrund der durchblutungsfördernden Eigenschaften des Lavendelöls Linderung bringen. 12 Tropfen ätherisches Lavendelöl aus der
Apotheke mit 50 ml Mandel-, Oliven- oder Sonnenblumenöl mischen. Ein sauberes Tuch (zum Beispiel Geschirrtuch) dreifach zusammenlegen und 1–2 TL der Mischung darauf verteilen. Anschließend auf die betroffene Körper­ stelle legen und die Kompresse mit einem längeren Tuch fest umwickeln. Jedoch nur so fest, dass noch ein bis zwei Fingerspitzen dazwischenpassen. Mit dem Wickel 10–20 Minuten an einem gemütlichen Plätzchen ausruhen.

Lavendel Ölauszug

Der Auszug kann als Duft- oder Massage-Öl verwendet wer- den. Es ist jedoch nicht mit einem reinen ätherischen Öl aus der Apotheke oder dem Reformhaus gleichzustellen. Auf schmerzende Stellen massieren oder als Wickel oder Kompresse anwenden. Eine Handvoll frische Bio-Llavendelblüten aus dem Garten kurz in den Händen reiben und in ein Glas (500 ml) mit Deckel geben. Direkt danach 200 ml Oliven- oder Man- delöl hinzufügen. Das Öl 3–4 Wochen bei Zimmertemperatur und dunkel aufbewahren. Ab und zu schütteln. Die Blüten können nach 4 Wochen abgeseiht und das Öl kann in eine Braunglasflasche gefüllt werden.

Ätherisches Lavendelöl

Gut zur Beruhigung: 3–5 Tropfen ätherisches Lavendelöl aus der Apotheke oder dem Reformhaus auf ein Glas warmes Wasser, zwei- bis dreimal täglich.

Gegen Gelenkschmerzen bei Arthrose, Gicht und Rheuma, bei Rücken- und Muskelschmerzen, Prellungen und Zerrungen: Einreibungen oder Kompressen: 3–5 Tropfen auf Wickel oder Kompresse geben.

Bei Einschlafstörungen, Ruhelosigkeit und Nervosität einmal täglich am Abend 1–4 Tropfen (20–80 mg) auf einem Stück Zucker einnehmen oder in ein kleines Glas mit warmem Wasser (100 ml) geben und trinken.

Lavendel Kapseln mit ätherischem Öl

Alternativ eine Kapsel mit 80 mg Lavendelöl aus der Apotheke einmal täglich einnehmen. Bitte die Packungsbei- lage beachten!